Die einzige Konstanz: es gibt keine Konstanz

FCK vs. Erzgebirge Aue

Ein Rück- und Ausblick vor dem letzten Spiel der Hinrunde 2016/2017

Es hätte ein durchaus versöhnlicher Jahresabschluss beim letzten Heimspiel der roten Teufel werden können. Erzgebirge Aue glänzte keineswegs mit technisch versiertem, angriffslustigen oder gar mutigem Fußball, präsentierte sich als zurecht Tabellenvorletzter der zweiten Liga und somit nicht wirklich als Spielverderber.

Auf Versöhnung mit den etwas mehr als 21000 Fans im Stadion und einer unbekannten Zahl vor dem TV hatten die Spieler in rot aber irgendwie keinen richtigen Bock. Dass ihre fußballerische Qualität so limitiert ist, dass es nicht einmal gegen die schlechteste Abwehr der Liga zu wenigstens einer Torchance reichte (auch als schlechtester Angriff der Liga), halte ich für ein Gerücht. Der Aufritt war primär eine reine Permanentverweigerung von Offensive, ein Kick without Rush, ein Zweikampfdesaster (denn Zweikämpfen ging man an diesem Nachmittag gediegen aus dem Weg), ein taktisch planloses, dafür aber hoch langweiliges, lustloses Gewürge bis zum alle erlösenden Schlusspfiff – welcher noch viele weitere Pfiffe zum Abschluss des Fußballjahres auf dem Betzenberg folgen ließ. Völlig zurecht. So ist das, wenn 21000 Menschen in 90 Fußballminuten von dem Gros der Akteure auf dem Rasen plastisch verdeutlicht wurde, dass sie Zeit und Geld für eine Partie verschwendet haben, bei der es keinerlei Unterschied gemacht hätte, wenn sie gar nicht erst angepfiffen worden wäre.

Da kann man nur hoffen, dass zum Abschluss der Hinrunde in Nürnberg unsere zahn- und harmlosen Teufelchen nochmal vor dem Jahreswechsel ein bisschen Herz und Seele aktivieren, um nicht sang- und klanglos mit einem halben Dutzend Gegentoren abgefertigt zu werden, denn es ist kaum anzunehmen, dass der FCN eine annähernd ähnliche Harmlosigkeit an den Tag legen wird wie Aue – denn die Nürnberger, die werden drei Punkte ohne Wenn und Aber holen wollen.

Schaut man sich nun zum Ende des Jahres die (fast) komplette Hinrunde der Lautrer an, so überwiegen leider die negativen Eindrücke, die beim letzten Heimspiel 2016 größtenteils noch einmal mit darstellerischer Brillanz vor Augen geführt wurden. Viel zu häufig ideenloses Agieren, offensive Ratlosigkeit, Rückpässe vom gegnerischen Sechzehner bis hin zum eigenen Torhüter, seltenes Aufbäumen bei Gegenwehr das Gegners.

Weiterhin unerklärlich ist für mich, dass es Lautrer Zweitligaspielern wahnsinnig schwer zu fallen scheint, einen sauberen Pass zum Mitspieler (selbst auf kürzeste Distanz) zu bringen, einen Ball in entsprechend notwendiger Höhe in den Strafraum zu flanken (bei Ecken, Freistößen oder aus dem Spiel heraus – egal, macht keinen Unterschied), einen freien Mann anzuspielen anstelle von vornehmlich abgedeckten oder geistig abwesenden Mitspielern, oder gar nach dem Spiel immer die richtigen Schlussfolgerungen aus Niederlagen und Unentschieden zu ziehen, daran zu arbeiten und es beim nächsten Mal besser zu machen.

Womit ich beim nächsten Punkt bin. Und die Frage darf wirklich erlaubt sein: was genau wird da Woche für Woche so alles fußballtechnisch trainiert und taktisch eingeübt? Spätestens nach dem zweiten Saisonspiel (1:1 in Würzburg) waren die Probleme und Defizite deutlich erkennbar, Ansätze zum gezielten Üben also vorhanden. Bis zum 16. Spieltag jedoch tat sich relativ wenig zum Guten, betreffend die Spielweise und dem technischem Vermögen – was entweder bedeutet, die Trainingsschwerpunkte liegen grundsätzlich woanders, oder die meisten Herren sind zwar nicht vom Alter, aber vom Talent her bestenfalls auf der Höhe einer C-Jugendmannschaft. Klingt jetzt böse? Nicht doch! Man kann sich natürlich stattdessen den Slapstick, den ein Ziegler (immerhin Stammspieler) wöchentlich als Profifußball verkaufen will, als semi-spektakuläre Kleinkunst farbig reden.

Was das größte Rätsel aber ist: gestandene Profis mit offenkundig viel Erfahrung spielen monatelang über weite Strecken unter ihren durchaus vorhandenen Möglichkeiten! Gaus, Halfar, Moritz – drei Paradebeispiele für FCK-Spieler, von denen man aus gutem Grund viel erwarten darf und soll, und man in vielen Spielen dann verzweifelt nach den Bremsen sucht, welche diese Jungs blockieren. Gelingt es Gaus noch hier und da irgendwann, mit so einer Art Aha-Effekt kurzzeitig das Gefühl zu erzeugen, dass das richtige Feuer in ihm brennt, ist Moritz für mich die größte Enttäuschung der Hinrunde – ziemlich großzügige Vorschusslorbeeren zum Saisonstart, ernüchternd ist gegenwärtig die Realität. Halfar, über einen längeren Zeitraum verletzt, spielt nach seiner Rückkehr jedoch genauso ertragsfrei wie vor seinem Ausfall.

Apropos Verletzungen. Auch dieses Manko überschattet die gesamte Hinrunde.

Dafür kann keiner was, ganz klar. Und doch ist man geneigt, auch hier die medizinische Abteilung und die Verantwortlichen zumindest vorsichtig mit entsprechenden Fragen anzustoßen: warum werden Spieler eingekauft, die angeschlagen und schließlich langzeitverletzt die karg besetzte Tribüne verstärken (Kerk, Mudjza)? Warum zum Donnerwetter kriegt man Pritsche nicht fit? Immerhin drei Kandidaten, die bei vollster Einsatzfähigkeit gewiss zur Startelf gehören würden. Gut, wahrscheinlich zu viel Gemecker. Jedoch: es nervt einfach zu wissen, was da in der Hinterhand lauert und partout nicht auflaufen kann.

Neben der sportlichen Bescheidenheit gesellen sich weitere Schauplätze neben dem Rasen, die für Unmut, Ärger und Verdrossenheit sorgen. Osawes Ausflug in die Stadt der Liebe, der ihn inklusive Suspendierung wohl weitaus mehr beflügelt zu haben scheint als jedes gesoffene Red Bull einen Orban beflügeln würde. Eine ernüchternde Jahreshauptversammlung, sowohl für Fans (Schuldenberg) als auch für Ex-Vorstandsvorsitzende. Ein wahrhaft alberner, aber trotzdem Unruhe bringender RTL-Enthüllungshumbug.

Noch mehr? Danke, reicht schon!

Insgesamt gesehen kann man es getrost so beschreiben: die einzige Konstanz der bisherigen Saison ist, dass es keine Konstanz gibt. Die dunkle Seite ist stark auf dem Betzenberg in dieser Saison.

Darum ein paar, aus meiner Sicht, dann doch vorhandene Lichtblicke zum Abschluss des Jahres über unseren FCK, die die Misere nicht ganz so mies aussehen lassen und wenigstens ein wenig Optimismus für die Rückrunde wecken, zumindest auf sportlicher Basis.

Es ist amtlich, dass der FCK 7 Spiele in Folge nicht mehr verloren hat und sich defensiv augenscheinlich gefestigt zu haben scheint. Das sind durchaus positive Aspekte zum Jahresende, auch dass einige Spieler im Kader gute Erinnerungen und letztlich berechtigte Hoffnungen wecken. Namentlich wären das nach meiner Ansicht Ewerton (nach anfänglicher Verletzung aus dem Stand eine feste und sichere Größe in der Innenverteidigung), Koch (die Nachwuchsarbeit ist und bleibt hoffentlich eine kleine Bank), Görtler (ein Schwerstarbeiter und fast schon unverzichtbar als Offensivmotor), Mwene (der sich tatsächlich nach enormen Anfangsschwierigkeiten zu einer festen Größe entwickelt hat), Zoua (der sich nicht nur gegen Erzgebirge zumindest kämpferisch und lauffreudig im Gegensatz zum großen Rest der Mannschaft präsentiert hat), Pollersbeck (natürlich, auf die Ehrmannschule ist grundsätzlich Verlass) und mit Abstrichen Osawe (die Parisnummer ist jetzt aber ehrlich durch, auch wenn es eine Anekdote bleiben wird).

Abschließend kann nur ein Appell an alle Fans des FCK für das Jahr 2017 erfolgen, der umso schwerer fällt, wenn man sich das Aue-Spiel vor Ort im Stadion angetan hat, jedoch: es kann ja kaum schlechter werden.

Darum: zeigt Flagge! Unterstützung von den Tribünen war das A und O in der Lauterer Vergangenheit, auch in schlechten, ganz schlechten und wirklich furchtbar schlechten Zeiten! Die Offensive fängt auf den Rängen an und endet im Strafraum des Gegners, der Funke muss zünden. Doch ohne Reibung gibt es diesen Funken nicht! Und dafür sind wir, die Fans zuständig! Präsenz im Stadion ist zudem nicht nur der Support für das spielende Team, sondern ebenso für die klammen Geldbeutel unseres Lieblingsclubs. Auch wenn das, was sich die roten Teufel da zeitweise auf dem Rasen zurechtgurken, uns viel zu oft Tränen in die Augen treibt, verzweifeln lässt, wütend macht und enttäuscht – es darf in harten Zeiten wie diesen nicht in Tiraden enden wie „Ihr spielt das Stadion leer“, „Ihr seid es nicht wert“ oder „Dies war das letzte Mal für lange Zeit, dass ich auf dem Betze war!“

Ja doch, wir dürfen, sollen und müssen kritisch bleiben, überhaupt kein Thema! Doch vergessen wir bitte nicht: Treue verpflichtet auch. Erfolg ist relativ. Die Realität zählt. Der FCK, jeder Spieler in Rot braucht uns, um das Tal zu durchqueren, in welchem wir aktuell noch überwiegend ziellos umherirren. Der Weg hinaus findet sich am besten gemeinsam. Deshalb wünsche ich mir für das neue Jahr, beginnend mit der Rückrunde, einen noch stärkeren Schulterschluss unter uns Fans und mit dem 1. FC Kaiserslautern.

Packen wir es an!

 

Allen ein frohes Weihnachtsfest und einen erfolgreichen und gesunden Start ins Jahr 2017!

Forza FCK!

Text und Foto: Wolfgang Engel

W. Engel

Autor - Bastion Betzenberg
Hobby's : Fussball und Musik

Related posts