EHRGEIZ, EINSATZ, LEIDENSCHAFT!

Es fand ein Fußballspiel statt. Kein schönes, denn die beiden Teams auf dem Platz gehören nicht zu den spielerisch stärksten in der Liga, beide Teams dümpeln gar seit Saisonbeginn am Tabellenende herum, und es wäre besonders für das Heimteam bitternötig gewesen, die drei Punkte einzufahren. Leider reichte es am Ende nur zu einem Punkt, trotz optischer Überlegenheit und einem Gros an Torchancen, aber eben leider auch, weil der Ball einfach nicht ins Tor wollte und das Spiel somit 0:0 endete. Und doch: es war ein Spiel, dass letztlich positiv gestimmt hat, weil die Mannschaft mit großer Leidenschaft, Disziplin und viel Angriffslust aufgetreten ist, um die negative Saisonbilanz etwas angenehmer zu gestalten und vor allem um zu zeigen, dass wesentlich mehr in ihr steckt, als der aktuelle Tabellenplatz ausdrückt. Die Zuschauer waren jedenfalls zufrieden und sich einig, dass es ein Schritt nach vorne war, die Mannschaft auf dem richtigen Weg ist und die Einstellung der Spieler stimmig ist mit den in sie gestellten Erwartungen und Ansprüchen. Keine Frage: die Jungs haben begriffen, dass neben fußballerischem Talent und taktischer Disziplin auch Einsatz, Leidenschaft und Ehrgeiz  von Nöten sind, um etwas Zählbares zu erreichen und sich Lob und Respekt bei Zuschauer und Gegner zu verschaffen, auch mit einem Remis.

Von welchem Spiel ich hier schreibe? Ganz einfach von dem einer D-Jugendmannschaft, die ich zusammen mit einem Kollegen Woche für Woche trainiere.

Somit habe ich innerhalb der letzten sieben Tage zweimal das unattraktivste Fußballergebnis live gesehen, welches es geben kann: das 0:0 einer (meiner) Jugendmannschaft, und das torlose Remis zwischen dem FCK und der Arminia aus Bielefeld. Und ich muss zugeben: ich habe da zwar zwei gleiche Resultate gesehen, jedoch mit auffallend unterschiedlicher Qualität! Natürlich verbieten es schon der Altersunterschied und die jeweilige Ligazugehörigkeit hier nun große Quervergleiche zu Athletik, Schulung oder gar dem jeweiligen Stellenwert zu ziehen. Darum geht es mir auch gar nicht. Um Objektivität muss ich mich dabei auch definitiv nicht bemühen: sowohl der FCK als auch die von mir trainierte Mannschaft liegen mir gleichermaßen am Herzen.

Drei Dinge gelten meiner Meinung nach grundsätzlich aber für jede Mannschaft gleich welcher Klasse und egal wie alt die Spieler sind: und die sind eben der Einsatz, die Leidenschaft und der Ehrgeiz. Rückblickend auf das Arminia-Spiel habe ich davon schlichtweg zu viel beim FCK vermisst. Abgesehen vom inzwischen chronischen, gegenüber dem Zuschauer rücksichtlos-konsequenten (und kaum zweckerkennbaren) Hintenrumgeschiebe, den bitteren Ballverlusten durch Paarmeter-Fehlpässe, Blindnachvorn-Befreiungsschläge oder Weitwegspring-Ballannahmen, die beim aktuellen Kader die zweifellos vorhandenen fußballerischen Defizite deutlich machen, sollte dann doch wenigstens die kämpferisch-aggressive Arschaufreißquote stimmen, was dem Zuschauer wenigstens halbwegs das Gefühl vermitteln könnte, dass das Grundsätzliche, nämlich der sportliche Wettkampf, im Vordergrund steht, und nicht der Zweitliganettolohn, die eigene Frisur oder der Feierabend bei Frau und Kind nach 90 Minuten Pflichtprogramm auf grünem Rasen. Selbst das gelingt aber nicht mehr wirklich, und es ist nicht bloß eine Momentaufnahme. Wer die letzten zwei, drei Jahre Spiel für Spiel schmerzbefreit und unbeirrt auf Deutschlands höchsten Fußballberg gepilgert ist, wird bestätigen, dass das Leidenschaftsthermometer der trikottragenden Bewegungssportler stetig weiter in den Keller gesunken ist – parallel im Gleichtakt zu Tabellenplatzierung, Zuschauerzahl und Fanhoffnung. Da wirken dann manche nach solchen Spielen aufgezeichneten realitätsfremden und ein Pseudopositivgefühl vermittelnden Interviewaussagen von Spielern und Verantwortlichen mehr grotesk komisch als glaubwürdig aufrichtig.

Diese Fragen seien daher gestellt: Wie bitte soll sich etwas Grundlegendes an der aktuellen Situation ändern, wenn die Herren in Rot sich nicht auf drei Tugenden einlassen, die unbedingt notwendig sind, um die Anhänger, das eigene Selbstbewusstsein und schließlich auch das Punktekonto positiv zu beeinflussen? Wenn es eine D-Jugendmannschaft, bestehend aus 11- bis 12jährigen Jungen und Mädchen begriffen hat und umsetzt, warum schafft das dann nicht eine erwachsene, im Leben stehende Profimannschaft?

Es ist meiner Ansicht nach eine Sache von Charakter und Wille. Und für mich persönlich sind solche Auftritte wie jüngst gegen Bielefeld und gegen ein tieferklassiges Groß-Aspach (ohne diese beiden Teams geringwertzuschätzen) ein Zeichen dafür, dass der aktuelle FCK-Kader hierbei auf sparsamster Flamme brennt. Das ist traurig, dramatisch und nicht zuletzt beschämend.

Wer vom Fan die volle Unterstützung und wahrscheinlich nötige Geduld in Sachen Spielkultur und taktischer Disziplin fordert, sollte sich zumindest gewillt zeigen das Grundsätzliche an persönlich uneingeschränkter Einsatzbereitschaft auf dem Platz an den Fan (und nicht zuletzt an den Verein) zurückzugeben! Alles andere ist Alibi. Und darauf hat kaum noch jemand Lust und Laune. Siehe leeres Stadion.

W. Engel

Autor - Bastion Betzenberg
Hobby's : Fussball und Musik

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