Eine Limited Edition

Sie ist fast geschafft, diese unsäglich gruselige Saison 2016/17, und wie es scheint bleibt unser FCK der 2. Liga mit einem tiefdunklen blauen Auge (wahlweise auch zwei) erhalten – das ist das positivste, was als Ergebnis wahrscheinlich unterm Strich stehen wird. Toll! Man freut sich mittlerweile tatsächlich über einen Nichtabstieg, zum überwiegenden Teil jedenfalls. Denn manch ein Fan hätte, gemessen an so einigen Kommentaren und Beiträgen im Laufe der Saison, wohl lieber einen absoluten Neuanfang gehabt, wahlweise in der dritten oder sogar der Regionalliga. Echtes Herzblut eben!

Dabei, und auch das ist eine unangenehme Erkenntnis dieser Saison, ist nicht nur der FCK selbst inzwischen zur grauen Ligamaus mutiert, sei es auf dem Rasen als auch in der Führungsriege. Auch die Fanbase hat sich endgültig vom unbändigen, angsteinflößenden 12. Mann zum klingenden, singenden Westkürvchen verabschiedet – Musikantenstadl statt Wacken sozusagen. Klar, es wird geträllert was das Zeug hält, über 90 Minuten lang zelebriert die Anhängerschaft auf der Westtribüne ihr Repertoire, welches allerdings vordergründig aus zwei, drei monoton einschläfernden Liedern besteht. Es ist kaum noch etwas übrig geblieben von den wilden, euphorischen und den Gegner zermürbenden Anfeuerungen, auch und ganz besonders dann, wenn es nicht laufen will auf dem Rasen, wenn der FCK mit dem Rücken zur Wand steht und den entsprechenden Weckruf braucht. Zugegeben, sie haben es uns Fans auch wahrlich nicht leicht gemacht in dieser Spielzeit. Aber bitte: die Stimmung kommt trotzdem vom Fan selbst! Es kann kein Funke überspringen, wenn kein Feuer entfacht wird, das gilt sowohl auf als auch rund um den Platz herum! Wer die 80er und besonders die 90er Jahre auf dem Betzenberg erlebt hat, kennt den extremen Unterschied zur Gegenwart. Uli Hoeness hat uns einst gar als „Tiere“ bezeichnet. Heute? Ultraleichte Unterhaltung. So schade!

Doch damit nicht genug. Die Besucherzahlen tun ihr übriges. Und ja, Totschlagargument Nummer eins, Dauerbrenner bei Nachfragen: „Der FCK spielt ja auch scheiße, dafür gebe ich kein Geld aus!“ Stimmt. Die roten Teufel spielten schlecht, machten einen sogar richtig stinkig, viel zu oft in dieser Saison. Daher logische Reaktion des FCK-Fans: den Rücken kehren und warten, bis sie wieder oben mitspielen – ah ja, das ist wahre Liebe, Trennung auf Zeit, so ungefähr wie „Wir leben uns gerade auseiander und müssen mal für eine Weile eigene Wege gehen“. Echt jetzt? Sieht so aus! Wird so häufig das Zitat „Der Fritz würde sich bei so einem Fußball im Grabe umdrehen“ für die sportliche Leistung der Spieler verwendet, kann man das getrost auch auf diesen Teil der Fans münzen. So doppelt schade.

Aber irgendwo schließt sich dabei wieder dieser ominöse Kreis. Eine „Limited Edition“ zu sein ist gerade „up to date“ in Kaiserslautern, vom Fan über den Spieler bis zur Vereinsspitze. Und das richtig garstige dabei ist: der Horizont klart blöderweise nicht auf. Natürlich: man darf die vage Hoffnung haben, dass in der kommenden Saison der Kader verbessert wird und so mancher verbleibende Spieler, gedemütigt und vorgeführt von dieser Spielzeit, wie Phoenix aus der Asche aufsteigt. Man darf gespannt sein, ob Gries, Riesenkampff, Stöver und wie sie alle heißen ihre Arbeit zielgerichtet, sauber und zukunftsorientiert fortführen oder endlich richtig damit anfangen, das kann jeder bezeichnen und bewerten wie er möchte.

Dieser eine Wunsch aber ist nunmal enorm groß: bitte nicht nochmal eine solch indiskutable und angsteinflößende Saison wie 2016/17! Von den Gegnern her wird es gewiss nicht einfacher. Aber der Fußball, der ist und bleibt einfach, wenn ein gut geführtes Team (welches sich auch so nennen darf!) mit erfahrenem Coach (das ist Norbert Meier ohne Zweifel) und Rückhalt der Verantwortlichen und letztlich auch der Fans (macht das Stadion wieder halbwegs voll und feuert an, statt euch selbst mit Tralala-Liedchen zu feiern) den Rasen umpflügt – mit Leidenschaft, Stolz und Spaß am Sport.

Let’s go Betze! Zeit wird’s wieder.

W. Engel

Autor - Bastion Betzenberg
Hobby's : Fussball und Musik

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