Korkuts Eleven – Ein Zwischenfazit

Mittlerweile weiß man tatsächlich nicht mehr, was man überhaupt an positiven Aspekten nach einem Spiel unserer Jungs vom FCK herausfiltern könnte. Nach dem jüngsten Match wäre solch ein Aspekt vielleicht die wieder einmal sehr schöne Choreo der Westtribüne – wenigstens in dieser Sparte steht der FCK ziemlich weit oben im deutschen Fußball, auch und besonders in Anbetracht der Ergebnisse und spielerischen Akzente auf dem Platz, die im direkten Vergleich hierzu einen wandelnden Widerspruch darstellen. Womöglich auch, dass der FCK definitiv KEIN Torwartproblem hinter Stammkeeper Weis zu verzeichnen hat – Pollersbek machte seine Sache gegen Stuttgart gut, auch wenn er nicht die besten Möglichkeiten hatte, sich auszuzeichnen (was allerdings auch nicht daran gelegen hat, dass die Abwehr vom durchlässigen Schweizer Käse zur unüberwindbaren Mauer mutiert wäre, sondern eher an der auch nicht gerade vor Offensivkraft strotzdenden VfB-Stürmergarde) – gereicht hat es dennoch nicht zu einem Punktgewinn, geschweige denn zu einem Sieg. Und das war’s dann auch schon mit dem Positiven. Entsprechend dann die Meinungen und Kommentare der FCK-Facebookcommunity, die sich lesen wie Wiederholungen der letzten Woche; im Ton vielleicht noch ein Stück schärfer, im Inhalt fast durchweg gleich: Versager, Absteiger, Söldnertruppe, Trainer und Vorstand raus – überwiegend unsachlich. In gewisser Weise auch verständlich: die Durchhalteparolen von Verein und Vorstand wirken wie Alibiaussagen, geben dem Fan das Gefühl von allgemeiner Befremdung und erwecken ebenso den Eindruck, dass so mancher die Situation verkennt, um nicht zu sagen in einer Parallelwelt lebt und die rosarote Brille zu fest vor den Augen kleben hat. Das macht wütend, sorgt für völliges Unverständnis, und erzeugt schließlich, gekoppelt mit der Realität auf dem Platz, für Resignation bei großen Teilen des FCK-Anhangs. Eher mehr als weniger. Das Zwischenfazit hingegen ist klar: nach fünf Spielen Tabellenletzter, ein erstaunlich dichtes Lazarett mit hauptsächlich Spielermaterial, das eigentlich in die Startelf soll, und jede Menge gesunde Spieler, die es entweder mental nicht gepeilt bekommen oder deren spielerisches Niveau derzeit nicht wirklich im Zweitliga-Durchschnitt anzusiedeln ist. Die alte, verbliebene Garde aus der Vorsaison (allen voran Gaus und Ring) spielen weit unter ihren Möglichkeiten. Die Neuzugänge stechen durchweg wenig bis gar nicht. Osawe, zweifellos talentiert, verhungert regelmäßig in der Spitze und hat noch nicht die Qualitäten eines Vollstreckers. Frey erscheint noch unauffälliger als Stieber. Aliji verbreitet Angst und Schrecken, aber eher in der eigenen Hälfte als in der des Gegners. Höchstens Mwene fällt auf – ausschließlich aber dadurch, dass er offensichtlich kein Außenverteidiger und somit falsch positioniert ist. Auch Moritz hat sich nicht gerade überfordert vor seiner Verletzung. Einzig Zoua macht einen auffällig agilen, ehrgeizigen Eindruck, hat aber bisher kaum Spielzeit. Halfar, Vucur, Görtler, Heubach, Ziegler, Pich … es fällt schwer, auch bei diesen Akteuren derzeit Positives zu finden. Die Frage allerdings ist: was hilft es dieser auffällig verunsicherten, fußballerisch unter ihrem Niveau spielenden Mannschaft, wenn sie in Internetforen, auf Facebookseiten oder im direkten Dialog nach jedem neuen Nackenschlag verbal und öffentlich zerrissen, zerfleischt und vernichtet wird? Und was hilft das dem Anhang, wenn er (durchaus zurecht wütend) noch weiter demotivierend und destruktiv auf Verein und Mannschaft einwirkt? Natürlich nützt es genauso wenig die Sachlage schönzureden! Ein erstes, wirklich deutliches Zeichen kam nach Stuttgart von Marcel Gaus: „Natürlich befinden wir uns im Abstiegskampf!“ Man ist geneigt zu erwidern: „Endlich hat es zumindest einer kapiert!“ Und man kann nur hoffen, dass es nun allen Spielern und Verantwortlichen klar ist, um was es in dieser Saison gehen wird und der Fokus entsprechend ausgerichtet ist. Klassenerhalt kann nur das Ziel sein, und je eher dieser klargemacht wird, umso schneller darf und soll man auch von anderen Zielen träumen und reden! Das gilt eindeutig auch für uns Fans! Ein alter Spruch: nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Bereits am Mittwoch klopft Dynamo Dresden an die Tür, selbstverständlich mit dem Vorsatz, dem übelst wankenden und desolaten FCK die drei Punkte zu entführen, gerade nach der Derby-Niederlage gegen Aue werden die Sachsen auf Wiedergutmachung aus sein. Da kommt ihnen der Betzenberg gerade recht, könnte man meinen. Jedoch: wenn Gaus‘ Worte nicht nur die Ohren, sondern auch den Kopf der Mitspieler erreicht haben, darf und muss man als Fan auf die einzig vertretbare Reaktion bauen: nämlich unerbittlichen Kampf und ein deutliches Aufbäumen gegen den drohenden Niedergang. Und der soll und muss ebenso unerbittlich von den Rängen unterstützt werden, auch wenn die Anstoßzeit eine bodenlose Frechheit gegenüber den Fans ist. Noch ein paar Worte zur Trainerdiskussion: es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis die üblichen Mechanismen greifen und Tayfun Korkut den Job kosten, wenn sich die Misserfolge fortsetzen. Es ist wohl zu erwarten, das spätestens am kommenden Samstag seine Zeit auf dem Betzenberg vorbei sein wird, sollten die Spiele gegen Dynamo und Heidenheim keine Wende einläuten. Fraglich jedoch, ob irgendein anderer Übungsleiter mehr aus dem Team herausholen kann, wenn das Hauptproblem im mentalen Bereich zu finden ist. Und im übrigen: wie viele Trainerentlassungen und Neuverpflichtungen kann sich der FCK noch leisten? Ein Austausch sollte daher wohlüberlegt sein, trotz der prekären Gesamtsituation. Und auch wenn es besonders schwerfällt: ein positives Signal in Richtung Korkut seitens der Fans würde diesem Mann durchaus das Selbstvertrauen stärken, Wo es doch so wenig positive Aspekte gibt zur Zeit.

Foto Quelle: Michael Kastner

W. Engel

Autor - Bastion Betzenberg
Hobby's : Fussball und Musik

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