RB LEIPZIG UND DIE EREIGNISSE VON DORTMUND

DREI FOLGEERSCHEINUNGEN

Um es klar und deutlich zu sagen: das, was in Dortmund am 19. Spieltag vor dem Spiel gegen RB Leipzig an Gewalttätigkeiten passiert ist, muss aufs Schärfste verurteilt und zukünftig verhindert werden! „Selbstverständlich auch Ausschreitungen wie in Frankfurt oder anderswo! Gewalt ist absolut keine Option und hat nirgendwo ihren Platz oder ihre Rechtfertigung!“
Drei Folgeerscheinungen im Nachspiel zu den Vorfällen dieses Tages stoßen mir jedoch ähnlich sauer auf wie diese Geschehnisse selbst.
Da wäre zum einen die mediale Berichterstattung darüber, genauer gesagt die unpassende und irreführende Bezeichnung der Gewalttäter als „Fans“ der jeweiligen Vereine bzw. des Fußballsports. Tut mir leid, das sind KEINE Fans, die dort ihre Aggressionen ausgelebt haben, weder „Fans“ der Vereine, noch „Fans“ des Fußballsports! Die Medien müssen endlich einen konkreten und deutlichen Unterschied machen zwischen Menschen, die zur Unterstützung ihrer Teams ins Fußballstadion  pilgern und solchen primitiven Gewalttätern, anstatt reißerische Überschriften und pauschalisierende Kommentare abzusondern! Es kränkt mich, wenn ich als Fan verbal in einen Topf mit Schlägern und Kriminellen geworfen werde, wenn auch diese als „Fans“ tituliert werden und somit vor allem in den Köpfen der Menschen, die mit Fußball weniger am Hut haben und der Szene fremd sind, auf eine Stufe gestellt werde mit Gewalttätern! Da muss eine klare Grenze gezogen werden, nicht nur von uns Fans selbst!
Zum zweiten werden Plakataktionen und Fangesänge/-rufe gegen RB Leipzig ebenfalls in einem Atemzug mit Gewaltaktionen genannt, auch hier findet die Fusionierung zweier unterschiedlicher „Protest“-Aktionen statt, was so aus meiner Sicht nicht stehen gelassen werden kann! Auch hier möchte ich klar differenzieren: Schmähplakate gegen einzelne RB-Verantwortliche und Spieler (Rangnick ist da ein sehr beliebtes Ziel, bei uns in Kaiserslautern war es vor nicht allzu langer Zeit Willi Orban) mit persönlichen verbalen Angriffen, Beleidigungen und versuchten Kränkungen sind ebenso unangebracht wie verurteilungswürdig. Jedoch geht es offenbar nicht mehr einzig um solche Plakate und Äußerungen, sondern konkret um Anti-Leipzig-Plakate und Unmutsäußerungen allgemein. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, und es ist sicherlich nicht jedermanns Sache, wenn Transparente vom „Bullenschlachten“ oder ähnlichem fabulieren. Im Fußball sind derart rabiate Äußerungen allerdings gang und gäbe, nicht nur gegen RB Leipzig! Unterstellungen, dass solche Sprüche bzw. Plakate Aggressionen fördern, unterstützen oder gar auslösen, sind daher weit hergeholt!

Der dritte Punkt ist der, dass die Berichterstattung nach den Gewalttaten, Plakataktionen und Schmähgesängen nun mit einem unfassbar unkritischen Pro-Rasenballsport Leipzig-Gesäusel durchtränkt ist, welches jede noch so angebrachte und auch konstruktiv-sachliche Kritik an dem Retortenverein versucht, ad absurdum zu führen und bemüht ist, eine nie dagewesene Welle der Sympathie für das aus reinen Marketing- und Produktpräsentationszwecken aus dem Boden gestampfte Projekt zu entfachen! Da wird beispielsweise in der Doppelpass-Sendung vom 05. Februar seitens Herrn Thomas Strunz völliges Unverständnis für die Ablehnung der Fans anderer Clubs gegenüber RBL geäußert, Kritiker werden förmlich als reine Unruhestifter und gewissermaßen auch als Idioten abgestempelt, die in den Augen einiger gar die wahren Brandstifter und letztlich Mitverantwortlichen für die Geschehnisse in Dortmund  sind (inklusive natürlich den Herren im Vorstand des BVB, die schließlich im Vorfeld entsprechend provoziert haben und es quasi hätten wissen müssen, dass dies die Gewalt am Spieltag zur Folge haben würde – was ebenso absurd anmutet wie die pauschale Verurteilung der kompletten BVB-Südtribüne).

Quintessenz des Ganzen ist nun also, dass wir Fans das Produkt RBL gefälligst gern haben sollen, oder zumindest die Klappe zu halten haben, wenn uns dieser Verein nicht in den Kram passt? Man könnte es fast so auffassen. Denn anstatt den Kern der konstruktiven und sachlichen Kritik an RB Leipzig, die Beweggründe des Fanprotests und letztlich auch die Arroganz und Ignoranz des Vereins RB Leipzig gegenüber dem Widerstand der Fans anderer Vereine näher zu betrachten und somit eine inhaltsvolle und offene Diskussion auf den Weg zu bringen, wird zusätzlich mit drakonisch und ungerecht anmutenden Konsequenzen seitens des DFB (Ausschluss der Südtribüne in Dortmund) der Graben offenkundig noch vertieft, wenn nicht sogar weiter kräftig Öl ins Feuer gegossen. Ich empfehle hierzu auch die Lektüre des Artikels „Die (schein)heilige Welt von Red Bull“, der unter folgendem Link zu finden ist:
https://schmetterlingssammlung.net/2017/02/09/die-scheinheilige-welt-von-red-bull/

Übrigens: wer derart im Fokus steht und um Anerkennung buhlt, auf andere Vereine zeigt bei Fehlverhalten von Spielern, Verantwortlichen oder Fans und sich selbst als Aushängeschild des modernen und friedlichen Fußballs versteht, sollte wenigstens seine Spieler entsprechend briefen, dass sie eben nicht auch bloß normale Menschen, sondern Botschafter der absoluten Fairness und des Rechts sind. Offensichtlich funktioniert diesbezüglich die Kommunikation noch nicht so ganz perfekt. Sonst würde ein Timo Werner ganz sicher keine Elfmeter schinden, und Willi Orban garantiert eine Friedenstaube fliegen lassen statt eines schweren Medizinkoffers. Und auch die Leipziger Fans hätten den Medizinern des HSV viel eher friedlich ein Bier gereicht statt die Becher zu werfen.

Kinder von Traurigkeit sind eben auch nicht alle Leipziger.

Foto Quelle: Pixabay

W. Engel

Autor - Bastion Betzenberg
Hobby's : Fussball und Musik

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