WARUM ICH MIR DAS TROTZDEM ANTUE

Zuschauerschwund beim FCK

Ein kurzer Einwurf vor dem Spiel gegen den VfL Bochum

Zuschauerschwund in Kaiserslautern. Ganz klar die Folge der desolaten Leistungen in den letzten Wochen, ganz zu schweigen vom mehr als angeschlagenen Optimismus vieler Fans. Es verwundert also überhaupt nicht, dass viele nicht mehr bereit sind, sich den derzeitigen Horror auf dem Rasen anzutun, zumal sich auch ein gewisses Gefühl breitmacht von dem ein oder anderen Profi in den Reihen der Lautrer veräppelt zu werden – man höre sich als Beispiel die (harmlos ausgedrückt) mehr als unglücklichen Aussagen eines Christoph Moritz während der Pressekonferenz zum Bochum-Spiel an. Wozu also teures Geld ausgeben für eine Eintrittskarte, wenn unter anderem der Eindruck erweckt wird, dass so mancher Spieler immer noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt hat und entsprechend gewillt ist, dem freien Fall einen überfälligen Fallschirm entgegenzusetzen?

Dieses Denken ist verständlich, und niemand kann den Fans und Sympathisanten des FCK wirklich böse sein, wenn sie den roten Teufel nun wie das Weihwasser meiden.

Was aber bewegt die anderen Fans, so wie mich, trotz den oben aufgeführten Argumenten und Tatsachen trotzdem noch ins Stadion zu pilgern? Warum stehe ich trotz all den negativen Erlebnissen und Erkenntnissen, pessimistischen Prognosen und gruseliger Performance der Spieler auf und inzwischen auch neben dem Rasen, immer noch in der Kurve, auch am Montag gegen Bochum? Welcher Teufel reitet mich da? Die kurze Antwort was mich betrifft ist: der rote Teufel, den ich seit 1990 in meinem Herzen trage!

Nein, es sind nicht die meisten Akteure auf dem Fußballplatz in den Trikots des FCK, die mir in dieser Saison die Identifikation mit meinem geliebten Club vom Betzenberg geben. Wegen ihnen komme ich nicht. Genauso wenig ist es der Trainer, der mich mit Durchhalteparolen und gespielter Ruhe dazu bewegt 2×50 Kilometer zu fressen, um statt gemütlich auf der Couch vor dem Fernseher zu sitzen im Westblock bei Wind und Wetter zu stehen. Und ehrlich,  ich habe dieses Mal auch sehr lange überlegt, ob ich dieses Montagsspiel gegen Bochum mitnehmen möchte, da gerade diese fanunfreundliche Anstoßzeit zu Wochenbeginn eben auch ein Manko darstellt, wenn man am nächsten Morgen früh um sechs Uhr wieder zur Arbeit muss und nicht gerade in der unmittelbaren Nähe von Kaiserslautern wohnt.

Doch ich werde da sein. Denn es ist die Liebe zum Verein, die mich motiviert. Die Identifikation mit rotweißrot. Eben etwas, was für Normalbürger gar nicht wirklich nachvollziehbar ist (wie oft höre ich daher: „Warum tust du dir das an? Bist du Masochist oder einfach nur bekloppt?“). Die innere Verbindung zum FCK ist so tief, dass ich Treuegelübde ablege, wie es sonst nur bei Eheschließungen der Fall ist: „Bis dass der Tod uns scheidet“, „In guten wie in schlechten Zeiten“. Und das ist der Punkt. Es sind von mir keine bloßen Worthülsen, keine leeren Versprechen, nichts einfach mal so schnell daher Gesagtes. Der FCK war in schweren Zeiten für mich als Ausgleich und Motivation da. Nun bin ich in schweren Zeiten auch für ihn da. Weil ich mich mit ihm verbunden, und nicht weil ich mich dazu verpflichtet fühle!

Wie bereits erwähnt: ich bin keinem böse, der sich in dieser schwierigen Lage enttäuscht und resigniert abwendet, der keine Aufwendungen und Nerven mehr übrig hat für die momentane Gegenleistung der Trikotträger, ich habe vollstes Verständnis für jede angebrachte Kritik und Meckerei. Andererseits sehe ich es aber auch so, dass jede Unterstützung von den Rängen noch notwendiger ist als in all den Jahren zuvor. Im Endeffekt strafen wir mit dem Fernbleiben vom Betzenberg nicht die Spieler, die jederzeit einen neuen Arbeitgeber finden können, die sich möglicherweise niemals so mit ihrem aktuellen Arbeitgeber identifizieren können wie wir Fans es tun, schon gar nicht, wenn sie aufgrund der leeren Ränge feststellen, dass selbst wir Fans uns offenbar vom Verein abwenden.

Nein, wir strafen unseren FCK! Und so ein bisschen sorgen wir mit dafür, dass sein Mythos, sein Ruf, sein Stern verblasst. Das kann ich mit mir selbst nicht vereinbaren, weil ich das grundsätzlich nicht will, und weil das der FCK nicht verdient hat, egal wie düster die Lage momentan auch ist.

Darum bin ich gegen Bochum dabei! Und wer weiß, vielleicht werden wir alle, die dabei sind, endlich für unsere Treue und Hartnäckigkeit belohnt? Das möchte ich nicht verpassen, falls es so kommt! Und es wäre schön, wenn sich einige genau das für Bochum und die kommenden Heimspiele auch noch einmal durch den Kopf gehen lassen würden. Es wäre schön!

Foto Quelle : Wolfgang Engel

W. Engel

Autor - Bastion Betzenberg
Hobby's : Fussball und Musik

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